Der Begriff Schreibaby war mir vor der Geburt meiner Tochter natürlich geläufig. Ich hätte aber nie gedacht, dass mich dieses Thema durch das erste Lebensjahr begleiten wird.

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In diesem Beitrag findet ihr meine Geschichte und meine persönlichen Tipps, die euch als Eltern weiterhelfen und aufbauen sollen. Es ist nicht immer einfach das Geschrei auszuhalten und es kostet Kraft und Nerven. Es gibt leider keinen Knopf, um es auszustellen, aber wir können das Schreien reduzieren und das Baby unterstützen.

Was ist ein Schreibaby / Schreikind?

Die Dreierregel besagt, dass das Schreien mindestens drei Stunden am Tag, mindestens drei Tage pro Woche und mindestens drei Wochen auftritt.

Mein Baby hat sich am Anfang nur schwer bis gar nicht beruhigen lassen. Schnell habe ich erkannt, dass sie sehr wach ist und intensiv auf äußere Reize reagiert. Viele Babys sind in der Lage ihren Blick abzuwenden oder schlafen einfach ein. Der Wirbelwind braucht Unterstützung, diese Reize auszuschalten.


Mein Tipp #1: Pucken

Knapp 24 Stunden nach der Geburt fing das Schreien an, stundenlang bin ich mit meinem Baby den Flur im Krankenhaus auf- und abgelaufen. Bis eine Schwester mir gezeigt hat wie man puckt.

Seit diesem Zeitpunkt haben wir den Wirbelwind gepuckt. Die ersten 7 Monate hat sie jede Nacht gepuckt geschlafen. Das Pucken hat sie entspannt, es hat ihr die Nähe gegeben, die sie so sehr brauchte. Sobald ich die Puckdecke entfernt habe, hat sie gestrampelt, oft geweint und sie war sofort wach.


Mein Tipp #2: Tragen

Kurz nach der Geburt sind wir zu einer Trageberatung gegangen und wir haben uns die Marsupi gekauft. Ich hatte vorher ein Tragetuch ausprobiert. Jedes Mal bin ich unruhig geworden, wenn das Geschrei immer intensiver wurde, ich aber nicht schnell genug das Tuch binden konnte. Die Marsupi war für mich die optimale Lösung. Es hat sich sofort toll angefühlt mein Baby darin zu tragen. Ich habe den Wirbelwind das erste Lebensjahr in dieser Trage getragen.

Ich habe mir immer vorgestellt wie ich stolz den Kinderwagen mit meinem Baby schieben würde. So habe ich mein Kind eben stolz vor dem Bauch getragen und den Kinderwagen erstmal in den Keller geräumt. Dort stand er die ersten 3 Monate.

In dieser für mich schwierigen Zeit musste ich häufig Sprüche von Fremden ertragen. Wenn mein Baby geschrien hat wusste jeder es besser – sie hat Hunger, ihr ist zu kalt/warm, die Mütze sitzt falsch, die Windel ist voll… Wenn ich mein Kind getragen habe konnte ich mir anhören, dass ich es zu sehr verwöhne. Die Kommentare haben mich verletzt. Zu Hause kamen mir oft die Tränen. Ich habe doch lediglich die Bedürfnisse meines Kindes gestillt.


Was mache ich falsch? Warum lässt sich mein Kind nicht beruhigen? Warum ist mein Kind so sensibel? Diese Fragen gingen mir immer wieder durch den Kopf.


Mein Tipp #3: Kinderarzt und Osteopath

Ich habe mein Baby vom Kinderarzt untersuchen lassen und offen das Thema Schreibaby angesprochen. Sie war kerngesund. Das zu hören war eine große Erleichterung. Mit 3 Monaten haben wir einen Osteopathen aufgesucht. Er hat einige Blockaden im Bauchraum und in der Halswirbelsäule feststellen können. Erstaunlicherweise hat diese Behandlung große Erleichterung für uns alle gebracht. Der Wirbelwind wirkte danach ausgeglichener und das Schreien wurde weniger. Bis heute sind wir dort in Behandlung.


Mein Tipp #4: Offene Gespräche führen

Gespräche mit Hebamme, Kinderarzt, Osteopath, Familie und Freunde waren für mich eine große Hilfe. Die Situation ehrlich zu besprechen und ein offenes Ohr zu bekommen hat mir sehr geholfen. Auch die Gespräche mit meinem Mann und die gegenseitige Unterstützung waren sehr wichtig für mich.


Mein Tipp #5: Rituale und Tagesablauf schaffen

Der Wirbelwind hat von Anfang an die Welt mit großen Augen wahrgenommen. Wenn zu viele Reize auf sie einströmen wurde sie unruhig, auf diese Überreizung hat sie mit Schreien reagiert. Wir haben deshalb einen regelmäßigen Tagesablauf geschaffen.

Im Laufe des ersten Lebensjahres wurde das immer einfacher und es gab mit Einführung der Beikost feste Essens- und Schlafzeiten. Dieser Rhythmus hat sie ruhiger gemacht.

Das wichtigste Ritual war und ist bis heute die Schlafenszeit. Wenn wir den Punkt verpassen den Wirbelwind ins Bett zu bringen dreht sie auf und findet danach schwer in den Schlaf.


Mein Tipp #6: Schlafrituale und -zeiten fest definieren

Der Mittagsschlaf ist für den Wirbelwind bis heute sehr wichtig. Sie schläft dann nachts besser. Bei jedem Einschlafen begleite ich sie, damit sie in den Schlaf finden kann. Meistens möchte sie einfach nur meine Hand halten.

Besonders gut geholfen haben:

  1. Schlafprotokoll: Schlaf- und Wachzeiten erkennen und den optimalen Zeitpunkt zum Einschlafen finden. Außerdem konnte ich durch das Schlafprotokoll feststellen, wie viele Stunden Schlaf sie wirklich benötigt.
  2. Pucken: siehe Tipp #1
  3. Tragen: siehe Tipp #2
  4. Stillen: siehe Tipp #7
  5. Abdunkeln: Das Zimmer ist, bis auf ein kleines Nachtlicht, immer dunkel. Auch beim Mittagsschlaf.
  6. Nonomo: Die Nonomo haben wir mit 2 Monaten gekauft. Vorher hat meine Tochter so gut wie nie alleine den Mittagsschlaf verbracht. Meist in meinem Arm oder in der Trage. In der Nonomo ist sie mit Unterstützung eingeschlafen und hat dann Mittags deutlich länger geschlafen. Die Nonomo wurde unser treuer Begleiter, nicht nur zu Hause, sondern auch im Urlaub und wenn wir Familie und Freunde besuchten.
  7. Spazierengehen: Wenn ich sie nicht beruhigen konnte, habe ich sie in die Trage genommen und wir sind spazieren gegangen. Meistens ist sie dann schnell eingeschlafen und ich konnte an der frischen Luft entspannen.

Mein Tipp #7: Stillen

Das Stillen hat eine ganz besondere Bindung aufgebaut. In diesen Momenten haben ich das Schreien vergessen. Der Wirbelwind war ruhig und ausgeglichen. Diese stillen Momente haben wir sehr genossen und konnten beide Kraft tanken. Die Nähe hat uns gut getan.

Der Anfang war nicht einfach, es wollte mit dem Stillen nicht so recht klappen. Das Durchhalten hat sich gelohnt.


Mein Tipp #8: Wärmelampe am Wickeltisch

Die ersten Tage zu Hause habe ich den Wirbelwind ohne Wärmelampe gewickelt. Ich dachte immer, dass ich so etwas nicht brauche. Das Wickeln war ein Kampf, sie hat jedes Mal so laut geschrien. Unsere Hebamme hat uns den Tipp mit der Wärmelampe gegeben. Ein so wichtiger Tipp, denn plötzlich hat uns allen das Wickeln Freude bereitet.


Mein Tipp #9: Überforderung vermeiden

Ein Tag voller Termine, viele Kurse und Besuch waren uns beide zu stressig. Wir wurden unruhig, haben diese Unruhe auf uns gegenseitig übertragen. Ich habe mir einen Wochenplan gemacht. Wann steht welcher Kurs und welcher Termin an? Wann kann jemand zu Besuch kommen? An welchen Tagen haben wir keine Termine? Oft habe ich zwischen Tagen mit Terminen einen Tag Pause eingelegt. Dort haben wir dann spontan entschieden, wozu wir Lust haben.


Mein Tipp #10: Babymassage

Bis heute liebt der Wirbelwind Massagen, sie fordert sie regelrecht ein. Im ersten Lebensjahr haben wir regelmäßig abends vor dem Schlafengehen massiert. Die Wärme hat sie beruhigt und müde gemacht. Ich habe das Licht abgedunkelt, damit sie sich nicht auf andere Reize konzentrieren konnte.


Mein Tipp #11: Zeit nur für Mama

Jeder Akku ist irgendwann leer. Plane dir Zeit nur für dich ein. In Ruhe duschen zu können war eine große Wohltat. Feste Lauftermine nur für mich standen in unserem Kalender. Auch Unterstützung durch Familie und Freunde sind eine große Erleichterung. Man überträgt den innerlichen Stress und Unruhe auf das Baby und es entsteht ein Teufelskreis. Luft holen ist daher wichtig, damit sich die Situation beruhigen kann.


Mein Tipp #12: Akzeptieren!

Am Anfang war ich naiv. Ich hatte ein Idealbild vor Augen. Erst als ich dieses Bild abgelegt und akzeptiert habe, dass mein Baby nun mal nicht im Kinderwagen liegen möchte, nicht gerne Auto fährt und eine schlechte Schläferin ist, wurde es besser. Nicht weil der Wirbelwind sich verändert hat, sondern weil ich meine Einstellung verändert habe. Ich wurde ruhiger und habe mir selbst den Druck genommen.

Mir haben damals so viele gesagt, dass mein Kind lernen muss alleine einzuschlafen. Ich habe für mich entschieden, dass nicht ich das bestimme, sondern mein Kind. Bis heute schläft sie nicht alleine ein, das ist für mich vollkommen in Ordnung. Irgendwann wird dieser Tag kommen. Alles braucht Zeit, manche Dinge etwas länger.

Mit dem ersten Geburtstag wurde die ganze Situation deutlich entspannter und einfacher.

Plötzlich konnte der Wirbelwind laufen und sie fing an zu sprechen. Sie wurde immer selbstständiger und somit auch immer zufriedener. Als Baby wollte sie oft mehr, konnte aber nicht.

Sie ist ein wundervolles und kerngesundes Kind. Sie spricht wie ein Wasserfall, ist sehr aktiv und interessiert. Wenn ich zurückblicke auf das erste Lebensjahr hätte ich früher die Situation akzeptieren müssen.

Dann wären die ersten 3 Monate einfacher gewesen.


Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich freue mich auf deine Geschichte.

Eure,
Karin