Dieser Moment, wenn man sein eigenes Kind zum ersten Mal im Arm hält, ist einfach unbeschreiblich. In Worte nicht auszudrücken. So viele Gefühle, so viele Emotionen. Ich möchte mein Baby fest halten, ganz fest, für immer. Ich möchte mein Baby nicht abgeben.

Man ist verliebt, seit dem ersten Moment. In dieses kleine süße Wesen, was da im eigenen Arm liegt. In diese großen Augen, die kleine Stupsnase, die süßen Finger. Man möchte einfach nur die Nähe genießen, die Wärme spüren. Mamas, und natürlich auch Papas, möchten ihr Baby bei sich haben, es beschützen. Nein, ich möchte mein Baby nicht abgeben. Es ist verständlich, dass jeder dieses kleine Wunder im Arm halten möchte. Doch Eltern mögen es gar nicht, wenn ihr Baby von Arm zu Arm wandert. Wenn jeder es halten und streicheln will.

Ich möchte mein Baby nicht abgeben

Mein Kind fühlt sich bei mir wohl und geborgen. Der vertraute Duft, die bekannte Stimme. Andere Menschen sind für das kleine Lebewesen Fremde, es kennt diese Menschen nicht. Es bekommt Angst.

Mein Kind braucht Schutz und Vertrauen. Von meinem Mann und von mir. Seit dem ersten Atemzug sind wir für unser Baby da. Wir beschützen es vor Trauer und Schmerzen und bewahren es vor negativen Einflüssen. Dieser Schutz, den wir unserem Kind bieten können, ist leider begrenzt. Irgendwann macht es eigene Erfahrungen. Bis dahin soll es sich in unserem Arm sicher fühlen. Wir bieten ihm einen Ort der Zuflucht. Schenken ihm Verständnis und Sicherheit.

Diese Sicherheit hat unser Kind bei anderen Menschen nicht. Es fühlt sich fremd und unwohl, es weint. Diese Unsicherheit können wir ihm ersparen. Wir können bei unserem Kind sein und die notwendige Sicherheit bieten.

Nein, wir verwöhnen unser Kind nicht.

Wir beschützen es, geben ihm was es braucht: Liebe. Unser Baby fordert sein Grundbedürfnis nach Nähe und Sicherheit ein und wir stillen dieses Bedürfnis.

Unser Kind darf selbst entscheiden, ob es auf einen anderen Arm möchte. Es darf auf sein eigenes Gefühl hören, ob es dem anderen Menschen vertraut. Es darf weinen, eine Abwehrhaltung zeigen. Unser Kind entscheidet für sich, nicht andere Menschen für unser Kind.

Eltern dürfen ihr Kind in seinem eigenen Willen unterstützen.

Wir dürfen es bekräftigen und seinen Standpunkt vertreten. Wenn sich ein Kind unwohl fühlt, dann darf es nein sagen. Es darf für sich selbst entscheiden. Es muss anderen Menschen keinen Gefallen tun.

Kinder sind neugierig, sie möchten andere Menschen kennenlernen. Irgendwann. Den Zeitpunkt bestimmen sie von ganz alleine. Jedes Kind darf seine körperlichen Grenzen selber einschätzen und andere Menschen müssen diese respektieren.

Ich respektiere die Grenzen meines Kindes. Deshalb möchte ich mein Baby nicht abgeben.

Eure,
Karin