Durch die Geburt unserer Tochter und die damit verbundenen Untersuchungen wurde bei uns das Thema Hüftschiene wieder sehr aktuell. Meine Erfahrung damit möchte ich gerne mit euch teilen.

Bei unserem Sohn wurde damals eine Hüftreifeverzögerung (Hüftdysplasie) festgestellt, eine Fehlbildung der Hüftgelenkpfanne. Untersucht wird dabei per Ultraschall der Winkel von Pfanne und Gelenkkopf, dieser muss bis zur U3 bei mindestens 60° liegen. 3 % aller Kinder haben eine Hüftdysplasie, es kommt also nicht gerade selten vor.

Die Werte bei unserem Sohn waren leider nicht gut, beide Seiten hatten einen Winkel von 51°. Es wurde nicht direkt eine Therapie verordnet, wir mussten allerdings zur Kontrolle. Bei der U3 hatten sich die Werte leicht verbessert, allerdings nur auf 55° beidseitig. Deswegen wurden wir zum Orthopäden überwiesen, der nach einer weiteren Kontrolle eine Behandlung verordnete.

Bis zuletzt hatten wir gehofft, dass keine Therapie notwendig sein würde. Natürlich hatten wir zu dem Thema viel gegoogelt und entsprechend waren wir abgeschreckt. Schlimm waren für mich die Bilder von Kindern mit eingegipsten Beinen.

Eine Hüftschiene war unvermeidbar

Der Orthopäde verschrieb uns dann die Tübinger Hüftbeugeschiene, den Termin zum Anpassen der Hüftschiene haben wir umgehend erhalten.

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als die Hüftschiene angelegt wurde. Der Kleine hat so schlimm und bitterlich geweint und ich konnte ihm nicht helfen. Nichts hat ihn beruhigen können. Ich war ebenfalls total aufgewühlt und sehr dankbar, dass mein Mann mitgekommen war. Er hat es letztendlich geschafft, unseren Sohn zu beruhigen.

Hueftschiene1

Natürlich gingen mir dann ganz viele Gedanken durch den Kopf. Wird er jetzt jedes Mal so schlimm weinen? Wie ist die Handhabung im Alltag? Werde ich meine Unsicherheit ablegen?

Alles halb so wild

Meine Sorgen und Ängste waren ganz schnell total unbegründet. Die Schiene wurde innerhalb kurzer Zeit eine Routine, noch eher für meinen Sohn als für mich. Das lag vor allem an der leichten Handhabung.

Die Einstellung der Hüftschiene wird vom Arzt oder Orthopädietechniker ausgeführt. Diese Einstellung wird regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf geändert. Den oberen Teil, die Schulterspange, nimmt man nur ab zum Wechseln der Kleidung. Um die Windel zu wechseln, muss nur der untere Teil, die Schale, gelöst werden (man öffnet dafür die Perlenschnüre). Es ist also nicht notwendig, jedes Mal die komplette Schiene abzunehmen.

Im Alltag ist die Schiene kaum aufgefallen bzw. war nie hinderlich. Sie hatte sogar Vorteile, z. B. war der Kleine ganz einfach zu tragen, wie ein kleines Paket. Ich habe ihn in die Trage setzen können, Maxi Cosi war überhaupt kein Problem und ich habe ihn auch gepuckt mit der Schiene. Auch das Stillen war überhaupt kein Problem. Falls euer Kind gerne in Bauchlage liegt, ist das auf einem Kissen möglich.

Hueftschiene2

Unser Quatschkopf musste die Schiene insgesamt 5 Wochen tragen. Durch die frühe Behandlung war er in seinen Bewegungen nur geringfügig eingeschränkt. Schade war, dass er in der Sommerzeit nicht nackig sein konnte. Um Druckstellen zu vermeiden, sollte Kleidung unter der Schiene getragen werden.

Meine Tipps:

    • Geht nicht alleine zum Anpassen der Schiene. Als Mutter ist man sehr emotional und angespannt. Es bringt viel, einen Ruhepol an seiner Seite zu haben. Vor allem für das Baby.
    • Lasst euch nicht verunsichern. Die Hüftschiene sieht zwar zunächst umständlich aus, ist aber ganz einfach zu handhaben. Mit ein wenig Routine könnt ihr die Schiene ganz schnell an- und ausziehen. Das Baby fühlt sich sicher, wenn ihr es seid.
    • Macht keine Ausnahmen. Es ist verlockend, die Hüftschiene für eine kurze Zeit auszulassen. Es hilft allerdings nicht weiter, wenn dadurch die Behandlung verlangsamt wird. Außerdem wird es danach nicht einfacher, die Schiene wieder anzuziehen.
    • Zögert die Behandlung nicht hinaus. Je älter das Kind, desto schwieriger wird es. Vor allem, wenn die Kinder schon einen Bewegungsdrang haben und sich drehen, robben oder vielleicht schon krabbeln wollen. Außerdem dauert die Behandlung viel länger.
    • Behaltet die Vorteile im Blick! Das Baby lässt sich super tragen. Die Haltung vereinfacht das Pupsen.

Unsere Tochter hatte ebenfalls einen kontrollbedürftigen Wert. Allerdings hatte sich bis zur U3 alles sehr gut entwickelt, die Hüftschiene blieb also eine einmalige Sache.

Ich hoffe, euch ein bisschen die Angst genommen zu haben. Wenn ihr Fragen habt, schreibt mir gerne!

Eure,
Sandra