Da ich als Kind einen Hund hatte und es immer toll fand, war mir klar, dass ich mir das auch einmal für meine Kinder wünschen würde – ein Familienleben mit Hund. Warum meine Mama sich aber nie wieder einen Hund zulegen würde, konnte ich nicht nachvollziehen und machte mich auch nicht stutzig. Leider…

Wie wir zu unserem Chaos – Hund Chili – kamen?

Unsere Freunde wussten von unserem Wunsch nach einem Hund, am liebsten ein Labrador. Da mein Mann und ich beide berufstätig waren, machte es für uns aber noch keinen Sinn. Also, rein aus Vernunftgründen.

Kurz vor unserer Hochzeit fuhren nun unsere Freunde mit uns zu einem unbekannten Ziel. Unterwegs erfuhren wir von unserem Hochzeitsgeschenk – wir waren auf dem Weg zu einer Züchterin. Als wir den Wurf von drei Wochen alten Welpen sahen, schaltete der Verstand aus und es war um uns geschehen. Besonders der einzige blonde Rüde schlich sich direkt in unser Herz. Deshalb brachten alle Ratschläge unserer Familien nichts, wir waren nicht mehr davon abzubringen.

Wir organisierten direkt eine Betreuung für den Kleinen, da wir ja beide arbeiteten. Und natürlich musste ein Name her. Da es der dritte Wurf war, suchten wir einen Namen mit C. Chili: er sollte „chillen“ können und doch auch ein wenig Feuer im Hintern haben. Dass der Name Programm sein wird, ahnten wir nicht.

Nun konnten wir uns in den Flitterwochen noch etwas schlau machen, was man alles benötigt, Bücher lesen über Hundeerziehung, Anschaffungen erledigen.

Familienleben mit HundDann war es soweit und wir durften ihn abholen. Zum Glück hatte ich noch zwei Wochen Urlaub (im Nachhinein war es nicht ausreichend, aber als Lehrerin konnte ich mir nicht mehr Urlaub nehmen), denn zum einen ist es ja wichtig für die Bindung zwischen Hund und Mensch und zum anderen bekam ich sehr wenig Schlaf ab. Eine gute Vorbereitung auf Kinder.

Da er noch nicht stubenrein war, war ich eigentlich nur am Rennen, Tag und Nacht. Aber immerhin hat es sich ausgezahlt. Nach einer Woche war er stubenrein. Als der Urlaub vorbei war, durfte Chili morgens zu einer Bekannten mit Hund, am Mittag konnte ich ihn abholen, spazieren gehen, spielen. Am Wochenende war Hundeschule angesagt. Überall zeigte sich, dass Chili ein lieber, wilder, verspielter, aber auch sehr sturer und dominanter Kerl ist. Genau so ist er auch noch heute.

Wie wir uns das Familienleben mit Hund vorstellten und wie es tatsächlich ist…

Spazieren gehen

Vorstellung: Der Hund springt fröhlich neben seinem Herrchen her (natürlich meist bei schönem Wetter), läuft anständig neben dem Kinderwagen, kommt, wenn er gerufen wird, ist dankbar, dass man eine neue tolle Strecke im Wald mit ihm läuft, …

Realität: Chili kann man zwar gut frei laufen lassen, allerdings muss man damit rechnen, dass er Äpfel, Gras, Stöcke oder auch Mal Hundekot frisst. Er kommt meistens, wenn man ihn ruft, allerdings erwartet er eine Gegenleistung, entweder ein Leckerli oder sein Spielzeug. Chili läuft wirklich super neben dem Kinderwagen an der Leine, das ist aber oft eine Kunst für sich:

Milchbärchen im Kinderwagen, Chili an der Leine, Taps zu Fuß, auf dem Laufrad oder Roller. Das ist schon spannend, aber wenn es nun auch noch regnet, wird es richtig lustig. Alle eingepackt in Regenkleidung, Regenschutz über dem Kinderwagen, manchmal noch der Regenschirm…

Zum Glück helfen meine Eltern und Schwiegereltern viel: während der Schwangerschaft haben sie meine Laufrunden übernommen und auch jetzt laufen sie oft mit uns mit.

Familienleben mit Hund

Unsere Spaziergänge sind meist recht lange, jedoch nicht schnell oder besonders weit. Da Taps mit seinen 2 1/2 Jahren so toll läuft (3 km sind kein Problem für ihn) und selten Mal aufs Buggyboard möchte, dauert es eben seine Zeit. Chili wird meist mit der Ballschleuder bespaßt, damit er sich etwas auspowern kann.


Zuhause

Vorstellung: Der Hund liegt nach einem großen Spaziergang in seinen Korb, freut sich, wenn die Kinder mit ihm spielen oder kuscheln, kommt freudig, wenn man ihn zum Fressen ruft, Labradore haaren wenig mit ihren relativ kurzen Haaren …

Realität: Nach unseren Spaziergängen legt Chili sich auf seine Couch bis ihm langweilig wird. Dann versucht er durch Klauen von Spielzeug Aufmerksamkeit zu bekommen. Da ich ihn aber nicht durchweg beschäftigen kann, schließen wir die Schutzgitter in der Küche. Somit hat er wenigstens zwei Zimmer für sich. Das Spielen mit Taps funktioniert nur bedingt, da Chili nur so lange er Spaß hat begeistert ist, dann versteht er nicht wenn Taps ihn aber weiter penetriert. Er ist genervt und sucht einen ruhigen Platz für sich, möchte aber trotzdem dabei sein.

Kuscheln findet Chili grundsätzlich doof, lediglich seinen Hintern dürfen wir massieren, wenn er ihn uns hinstreckt, dabei grunzt er dann auch ganz wohlig. Chili möchte immer und alles essen. Morgens hat er uns oft alle geweckt, weil er bereits gegen 5 Uhr so Hunger hatte. Damit er unseren Schlaf nicht noch mehr verkürzt, hat mein Mann extra eine Futtermaschine gebaut, die sich durch eine Zeitschaltuhr öffnet.

Wird Chili nicht regelmäßig gebürstet (2 Mal die Woche mindestens 10 Minuten), merkt man das in der Wohnung sofort. Nicht nur auf dem Boden, auch an den Kleidern, besonders solange die Kleinen robben und krabbeln, überall findet man Chilis blonde Haare.


Unterwegs / Urlaub

Vorstellung: Man kann seinen geliebten Hund überall mit hinnehmen, es macht auch nichts aus, dass man im Urlaub nur noch ausgewählte Unterkünfte/Restaurants aufsuchen darf…

Realität: Bei Unternehmungen ist man schon sehr eingeschränkt durch den Hund: Zoo, Parks, Einkaufen,… häufig darf der Hund nicht mit bzw. es macht weder uns noch dem Hund Spaß manche Orte gemeinsam aufzusuchen. Und es muss immer ein „Sitter“ organisiert werden, wenn er Mal nicht mit darf. Man möchte auch ungern immer die Familie fragen, da die ja schon häufig als Babysitter benötigt werden.

Bei einigen Treffen unserer Krabbelgruppe musste ich absagen, da ich mit dem Hund spazieren gehen musste und niemand darum bitten wollte. Dieses Jahr fliegen wir in den Sommerurlaub und nehmen Chili nicht mit. Da auch die Familie nicht aushelfen kann, haben wir eine Betreuung für ihn suchen müssen. Und diese ist dann selbstverständlich auch nicht umsonst.

Familieleben mit Hund – 7 Dinge, die du vorher bedenken solltest

  1. Du musst raus bei Wind und Wetter, eventuell mit dem ganzen Fuhrpark den du Zuhause bieten kannst. Handling mit der Leine erinnert dann eher an einen Zirkusartisten.
  2. Der Hund ist immer „da“, egal ob du Zuhause etwas unternehmen möchtest oder in den Urlaub fährst – er möchte mit oder zumindest eine adäquate Alternative zu deinem Programm.
  3. Du dachtest Kinder machen Dreck…, dann besorge dir lieber schon Mal einen Saugroboter.
  4. Ein Hund kostet und das nicht wenig. Neben den Anschaffungen, Verpflegung, sind Arztbesuche und eine Tierversicherung notwendig (besonders wenn man so einen Chaoten hat wie wir) und das ist ein teuerer Spaß.
  5. Die Strecke die ein Kleinkind zurücklegen kann, entspricht nicht unbedingt den Vorstellungen eines angemessenen Spaziergangs deines Hundes.
  6. Auch Zuhause möchte ein Hund etwas Bespaßungsprogramm, welches nicht unbedingt mit dem deiner Kinder übereinstimmt.
  7. Bei der Suche nach einem neuen Zuhause, kann ein Hund echt zu einem „Problem“ werden.

Unser Chili ist wirklich ein ganz lieber, toller Hund, das ist uns klar. Auch was er sich von den Kindern „gefallen“ lässt, ist wirklich beeindruckend. Vermutlich sind wir einfach nicht die richtigen Herrchen für ihn. Er bräuchte einfach noch mehr Beschäftigung, wofür mit zwei kleinen Kindern schlichtweg keine Zeit bleibt. Wir geben unser Bestes, aber werden seinen Ansprüchen oft nicht gerecht.

Familienleben mit Hund

Das Familienleben mit Hund ist für die Kinder toll, besonders Taps liebt Chili heiß und innig. Zuletzt fragt er mich, wann Chili in meinem Bauch war, also für ihn ist er so etwas wie sein „Bruder“. Er geht durch ihn auf andere Tiere, eben besonders Hunde mit einem Selbstverständnis zu, das finde ich wirklich toll. Allerdings weiß ich nun als Mama, die dieses Familienleben mit Hund managen muss, weshalb meine Mama damals nie wieder ein Hund wollte.

Wie ist es bei euch? Habt ihr Haustiere? Fällt es euch leichter alles unter einen Hut zu bekommen?

Eure,
Bibi