Es gibt diese Tage, da möchte ich mich am liebsten verkriechen. Da wächst mir alles über den Kopf. Ich habe das Gefühl, ich breche zusammen. Ich möchte einfach nur alleine sein. Das sind die Tage, an denen der Wirbelwind jede Sekunde Aufmerksamkeit von mir verlangt.

“Mama, jetzt, sofort!” Ich kann nicht essen, nicht einmal zur Toilette gehen. Ich habe keine Minute Ruhe. Das nervt mich und macht mich unzufrieden. Ich komme an meine Belastungsgrenze und habe das Gefühl, dem nicht gewachsen zu sein.

Fordert jedes Kind so viel Aufmerksamkeit?

Ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Fast jede Mutter berichtet von dieser Phase. Aber warum ist das so? Warum fordert mein Kind so viel Aufmerksamkeit ein? Warum möchte sie immer im Mittelpunkt stehen?

Liegt es daran, dass sie ein Einzelkind ist? Schenke ich ihr zu viel Aufmerksamkeit? Verhalte ich mich falsch?

Aufmerksamkeit

“Mama, du darfst nicht sprechen.”

Neulich waren wir auf dem Spielplatz. Ich habe mit einer anderen Mutter gesprochen und der Wirbelwind hat zu mir gesagt “Mama, du darfst nicht sprechen.” Warum darf ich mich nicht mit einer anderen Mutter unterhalten? Glaubt sie in diesem Moment nicht genug Aufmerksamkeit zu bekommen?

Soll ich ihr Verhalten ignorieren? Wie kann ich ihr gegenüber auftreten und reagieren, so dass sie versteht, dass die Welt sich nicht immer nur um sie dreht? Ich gebe mein bestes, jeden Tag, aber ich kann nicht immer und sofort springen.

Ich muss an mir arbeiten! Ich möchte ein Vorbild sein.

Immer wieder stelle ich mir die Frage, wie wir solche Situationen meistern können. Die Antwort ist klar: Ich muss an mir arbeiten! Ich möchte meinem Kind einen harmonischen und liebevollen Familienalltag vorleben und ihr die Orientierung und klare Anweisungen bieten, die sie braucht. Ich muss ihr ein Vorbild sein.

Das klingt so einfach. An manchen Tagen gelingt es mir richtig gut, an anderen nicht. Da gibt es Dinge die mich stressen und mich aus dem Konzept bringen. Da muss ich mich selbst zusammenreißen.

Der Schrei nach Aufmerksamkeit! – Ist das die Lösung für unser Problem?

Wenn der Wirbelwind wieder einmal nach Aufmerksamkeit schreit, dann bin ich oft im Zwiespalt. Auf der einen Seite zerreißt es mir das Herz und ich möchte ihr helfen. Auf der anderen Seite bin ich genervt. Ich versuche die Situation auszuhalten, sie zu ignorieren. Abzuwarten bis sie sich beruhigt hat und ihr dann Aufmerksamkeit zu schenken. Leider ertappe ich mich dabei, dass ich das nicht konsequent durchziehe. Und das ärgert mich.

Aufmerksamkeit in kleinen Schritten schenken?

Sie bekommt Aufmerksamkeit, aber nicht mehr sofort. Mittlerweile funktioniert das sogar ganz gut. Sie merkt, dass sie gar nicht lange warten muss. Ich sage ihr dann “Ich stelle das Glas noch in den Schrank und dann komme ich zu dir.” Ich halte mein Versprechen und das merkt sie auch. Ich schenke ihr Aufmerksamkeit, wenn ich meine Arbeit erledigt habe. Am Anfang haben wir noch kleine Schritte gemacht, die ich so langsam auch vergrößern und die Zeitspanne verlängern kann.

Situationen und Muster unterbrechen, das hilft uns

Wenn die kleinen Schritte mal nicht funktionieren, dann hilft es die Situation zu unterbrechen. Vom Thema ablenken und ihre Hilfe einfordern. “Kannst du mir kurz helfen die Nudeln in den Schrank zu räumen?” Es löst in dem Moment nicht ihr Problem, aber es entspannt die Situation. Sie ist dann sofort zur Stelle und hilft mir mit. Es macht sie stolz, wenn sie helfen kann.

Manchmal, da fange ich innerlich an zu lachen, nehme mein Kind und mich nicht ernst. Versuche innerlich gelassen zu sein und ein paar mal tief ein- und auszuatmen. Ich versuche die Situation zu beruhigen, damit sich nichts aufschaukelt.

Mein Kind lernt durch Nachahmung!

Ich weiß, dass meine Tochter durch Nachahmung lernt. Wenn ich hektisch bin, dann ist sie es auch. Wenn ich Unruhe verbreite, dann ist sie auch unruhig. Ich muss an mir arbeiten. Nicht so perfektionistisch sein, nicht immer alles sofort und jetzt verlangen. Meinem Kind kann ich keinen Vorwurf machen, ich muss mich ändern. Ich muss an mir arbeiten, jeden Tag aufs Neue und mir Möglichkeiten schaffen, meine Akku aufzuladen und mich wohlzufühlen.

Kennt ihr diese Situationen, aus denen ihr am liebsten ausbrechen würdet? Wie reagiert ihr, wenn eure Kinder zu viel von euch verlangen?

Habt ihr mehr als ein Kind? Dann schaut euch Sofias Beitrag über Streit unter Geschwistern an. Sie berichtet über ihre Gedanken und Gefühle und in welcher Zwickmühle sie immer wieder steckt.

Eure,
Karin